Die Untiefe vor Westtor und Westfestung Mozias – Relikte einer Leuchtfeuerbasis?

Bereits Sebastiano Tusa (zum damaligen Zeitpunkt Soprintendente del Mare – Assessorato Regionale dei Beni Culturali e dellIdentità Siciliana) bat uns während einer der ersten Kampagnen der Kooperation im Jahr 2017 zwischen der BGfU, der Soprintendenza del Mare und der Fondazione G. Whitaker, die submerse Erhebung vor dem Westtor zu untersuchen, um zu prüfen, ob es sich hierbei möglicherweise um die Überreste eines Sockels – vielleicht für eine Statue – handeln könnte.

Die erste Untersuchung erbrachte kein Ergebnis, abgesehen von der Bestätigung der Untiefe selbst. Alice Caltabiano vermutet auf Grundlage ihrer Untersuchung, dass die Untiefe ein „Element aus nicht erhaltenem, vergänglichem Material, wahrscheinlich einem mit der Küste verbundenen Holzsteg, gewesen sein (könnte)“ (Caltabiano 2011, 448–453). Allerdings seien, wie sie betont, „keine Datierungselemente“ gefunden worden. Weiterhin nimmt sie an: „Die beiden am südwestlichen Ende aufragenden Felsspitzen könnten Reste eines Funktionselements sein, möglicherweise von Ankerpollern. Bei ihrer Untersuchung markierte Caltabiano die aus dem Wasser ragenden Felsen der sogenannten „Installation an der Porta Ovest“ mit einer Reihe von Stäben, die die Grundlage für ihren Plan der Unterwasserstruktur an der Porta Ovest bildeten (Caltabiano 2011, 450, Abb. 13).

Die Untersuchungen der BGfU vor dem Südtor sowie entlang der gesamten Ostseite ergaben deutliche Hinweise auf mehrere Anleger unterschiedlicher Art und deuten zudem auf das Vorhandensein eines Wellenbrechers hin. In diesem nautischen Ensemble fehlt jedoch – angesichts der sehr flachen Inseln des Stagnone – eine natürliche Orientierungshilfe für die Schifffahrt. Die Ausfahrt aus dem Stagnone in das Tyrrhenische Meer erfolgte vermutlich über die heute nicht mehr existierende südliche Wasserstraße der Lagune (fretum extraboream). Die zu den vorgelagerten Ägadischen Inseln gehörenden Erhebungen boten dabei markante Orientierungspunkte: der 278 m ü. M. hohe Pizzo Monaco auf Levanzo, die höchste Erhebung Favignanas mit 314 m ü. M. sowie der Monte Erice mit 751 m ü. M., der zusätzlich als Landmarke dienen konnte.

Anders verhielt es sich bei der Einfahrt in den Stagnone über das damalige fretum intraboream, das bei Nacht, schlechtem Wetter oder Nebel keine Orientierung bot. Erschwerend kam hinzu, dass sich an der Nordwestecke der Isola Lunga eine ausgedehnte submerse Untiefe erstreckt, die sich nordöstlich von Punta Scario in das Tyrrhenische Meer hineinzieht. In diesem Bereich sind in historischer Zeit zahlreiche Schiffe gestrandet und zerbrochen, was durch Funde in einer Zone mit besonders vielen Wracks bei der Isola Lunga vor der nördlichen Wasserstraße der Lagune (fretum intraboream) belegt wird. Nach Einschätzung der Autoren dieses Beitrags dürfte ein Leuchtfeuer den nach Mozia einlaufenden Schiffen eine sichere Orientierung ermöglicht haben. Der von Caltabiano vermutete Anleger an der relativ flachen Westseite der Insel dürfte hingegen nur eingeschränkt genutzt worden sein, da die Ostseite durch ihr tieferes Wasser besser für Schiffe mit größerem Tiefgang geeignet war. Dort wurden auch bauliche Strukturen dokumentiert, die vermutlich zu mindestens vier Anlegern und einem Wellenbrecher gehörten.

Ergebnisse und Überlegungen

Aufgrund der im Feld kaum messbaren Hangneigung und mangels anderer Fixpunkte als den fünf Steinen wurden vor der Sidescan-Sonar-Untersuchung die GPS-Daten per Google Earth bestimmt und während der Untersuchung mit einem Hand-GPS-Gerät aufgesucht (Abb. 3).

Auf der zur Wegverlängerung hin ausgerichteten Seite der Untiefe konnte eine Reihe von fünf größeren Steinen identifiziert werden, die in einem nach Westen offenen Bogen angeordnet sind. Die drei nördlichen Steine lagen vollständig unter Wasser, während die beiden südlichen aus dem Wasser ragten. Die Abstände zwischen den Steinen betrugen von Nord nach Süd 2,70 m, 2,50 m, 2,00 m und 2,50 m; der nördlichste und südlichste Stein lagen 6,90 m voneinander entfernt. Der knietiefe, periphere Bereich mit einer Wassertiefe von etwa 50 cm wurde durch die Punkte A-G begrenzt. In diesem Bereich befanden sich im nördlichen Segment eine Gruppe von drei sowie eine weitere Gruppe von zwei größeren submers liegenden Steinen. Die Steine aller drei Gruppen erstreckten sich annähernd in Nord–Süd-Richtung. Der knöcheltiefe, zentrale Bereich mit einer Wassertiefe von etwa 20–25 cm lag innerhalb der Punkte A–D. Der höchste Punkt lag zentral bei 12.42“ N / 54.40“ E. Die Oberfläche dieses Bereichs war von einem Posidonietum oceanicae-Bewuchs bedeckt. Darunter zeichnete sich eine systematische Bedeckung mit größeren, unbearbeiteten Steinen ab. Unter diesen befand sich eine Schicht kleinerer Schottersteine, die stellenweise mit abgerundeten Geröllen durchmischt war.

Am höchsten Punkt wurde eine Mikrosondage von 50 × 50 cm bis zu einer Tiefe von etwa 40 cm angelegt. Diese erbrachte stark verrollte Fragmente grober Keramik, die bislang aufgrund fehlender Randstücke noch nicht näher bestimmt werden konnten (vgl. Tafel 1). Es erfolgte eine Sidescan-Sonar-Aufnahme der Untiefe, wobei zu berücksichtigen ist, dass die gerätebedingt geringste messbare Wassertiefe etwa 30–50 cm beträgt. Der Vergleich der mittels Prickenmarkierung vermessenen Umrisse mit dem Google-Earth-Bild von 2015 sowie mit der Sonaraufnahme zeigte eine weitgehende Übereinstimmung der Konturen.

Im Jahr 2021 wurde zur ersten Orientierung eine Reihe tangential verlaufender Kernbohrungen vom Ufer vor dem Westtor bis zur nordöstlichen Ecke der Untiefe in Nord–Süd-Richtung angelegt. Die Bohrlinie erstreckte sich über eine Länge von etwa 50 m mit Abständen von jeeils 5 m zwischen den einzelnen Bohrpunkten. Alle Bohrungen zeigten im oberen Bereich Ausbrüche, die auf das Vorhandensein einer dicken Schlickschicht zurückzuführen sind. Unterhalb dieser Schlicklage folgte eine nach Korngröße differenzierte Schluffschicht, die reich an Molluskenschalen war. Der vergleichsweise hoch anstehende blaugraue Ton im Bereich der Untiefe unterschied sich deutlich von den Befunden an der Ost- und Südseite und wies auf eine natürliche Erhebung im Untergrund hin. Die Sedimentationsschicht fiel gegenüber der Ostseite weniger mächtig aus.

Auf dem Abhang zum Ufer außerhalb des Westtores, in Verlängerung des Weges durch dieses, konnten zwei Steinreihen identifiziert werden, die parallel zueinander und zum Ufer verliefen. Angesichts des Gefälles des Hangs lassen diese Reihen an Stufenstrukturen denken (Abb. 4B und 7–8), sofern es sich dabei nicht um Artefakte aus den Grabungen an der Westfestung handelt (Nigro & Melandri 2011, 47, Fig. 3.27). Die geologische Dynamik der Isola Lunga verdient in diesem Zusammenhang besondere Beachtung, da sich die Punta Scario im Verlauf der vergangenen 150 Jahre stark aufgesandet hat. Dadurch stellt die Punta Scario ein erhebliches Annäherungshindernis für die Schifffahrt dar – eine Situation, die offenbar bereits in historischer Zeit bestand, als sich die Sandbank noch vollständig submers befand. Gleichzeitig begünstigten diese Sandbewegungen jedoch die Konservierung zahlreicher Schiffswracks.

Einen Eindruck von der hohen Versandungsrate der Punta Scario vermittelt die Berechnung von Honor Frost. Da die Wracks ursprünglich unter einer etwa 3 m dicken Sandschicht lagen, schätzte sie, dass über 1 m Sediment hätte entfernt werden müssen, bevor archäologisch relevante Strukturen freigelegt werden konnten (Frost 1972, 113–117). Der submerse Bereich der Punta Scario erstreckt sich in Form eines gleichschenkligen Dreiecks mit Seitenlängen von etwa 1 200 m und einer Basislänge von rund 1.500 m in das Tyrrhenische Meer hinaus. Die ins Meer ragende Strecke beträgt ca. 940 m.

Die phönizischen Seeleute waren für ihre fortgeschrittenen astronomischen Kenntnisse bekannt, die sie auch zur nächtlichen Navigation einsetzten. Nach den Untersuchungen von Mauro und Durastante für die archaische und klassische Periode (8.–4. Jh. v. Chr.) konnte eine ausreichende Leuchtkraft für sichere nächtliche Küstenschifffahrt nur bei Vollmond erreicht werden. Der Mondzyklus erlaubt jedoch nur bestimmte Zeitfenster (Mauro & Durastante 2023, 733–751). Ein Leuchtfeuer vor dem Westtor wäre daher nach Einschätzung der Autoren eine nahezu notwendige nautische Einrichtung gewesen – sowohl zur sicheren Einfahrt bei Nacht in die Lagune als auch, um die beiden vergleichsweise engen Einfahrten der Kanäle (freta) auf beiden Seiten der Punta Scario zu markieren.

Ein nautisches Warnzeichen an der neuralgischen Stelle zwischen den Ägadischen Inseln und Mozia wäre somit für die punische Schifffahrt von höchstem Nutzen gewesen. Dabei stellt sich die Frage, ob ein Seezeichen vor dem Westtor tatsächlich optimal platziert war oder ob ein Standort vor Borrone bzw. Favilla, den beiden Vorgängerinseln der heutigen Isola Lunga, in der Nähe des fretum intraboream besser geeignet gewesen wäre. Gegen einen solchen Standort spricht, dass dort erhebliche Mengen an Brennstoff – etwa Erdölnebenprodukte oder Holz – eigens über die flache Lagune hätten transportiert werden müssen. Auf Mozia hingegen wurden Brennstoffe ohnehin im Handwerkerviertel zur Keramikherstellung benötigt und vermutlich regelmäßig importiert. Zudem sind die beiden Vorgängerinseln, die mittlerweile zur Isola Lunga zusammengewachsen sind, äußerst flach und erreichen eine maximale Höhe von nur etwa drei Metern. Diese geringe Erhebung hätte für ein auf Mozia installiertes Leuchtfeuer kein Sicht­hindernis dargestellt – weder für aus dem Tyrrhenischen Meer kommende Schiffe noch für solche, die von den Ägadischen Inseln her fuhren.

Auf dieser Route mussten die Schiffe die weit ins Meer hineinragende Sandbank der Punta Scario meiden, um dort nicht aufzulaufen und Schiffbruch zu erleiden. Als Navigationshilfe hätte das Dreieck zwischen Levanzo, dem vermuteten Leuchtfeuer von Mozia und Favignana dienen können. Der zwischen 322° und 295° liegende Winkel dieses Dreiecks mit seiner Öffnung von 27° hätte es ermöglicht, den Küstenbereich weiträumig zu umfahren.

Da der Meeresspiegel im Stagnone seit punischer Zeit vermutlich um knapp 50 cm angestiegen ist, dürfte die Untiefenstruktur, die möglicherweise als Basis eines Leuchtfeuers diente, zur damaligen Zeit leicht aus dem Wasser herausgeragt haben. Für die Unterhaltung des Feuers hätten jedoch große Mengen Brennstoff den für Karren unzugänglichen, rund 50° steilen Hang von der Westfestung (Fortezza Occidentale) hinab zum Ufer transportiert werden müssen. Die beiden uferparallelen Reihen aus Natursteinen könnten dabei als Stufen gedient und somit die Begehung des Hangs erleichtert haben.

Entlang der Ausgrabungsstelle der Westfestung verläuft ein Weg, der vom Westtor in Richtung Lagune führt. An dessen Verlängerung befindet sich nordwestlich die beschriebene Untiefe, bei der es sich möglicherweise um die Überreste einer Plattform handelt. Darauf weisen unterfütterte Steinpackung, Keramikfragmente und Holzkohle hin. Der im „Plan der Unterwasserstruktur an der Porta Ovest“ dargestellte exakte Verlauf einer Steinreihe zur Begrenzung konnte bislang allerdings nicht bestätigt werden (Caltabiano 2011, 450, Abb. 13).

Die Struktur könnte jedoch durchaus als Überrest einer Plattform für ein nautisches Leuchtfeuer interpretiert werden. Bereits seit dem Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. wurden einfache Systeme von brennenden Feuern (πυρ / pyra) auf erhöhten Küstenpunkten errichtet, um den Sichtbarkeitsradius von Häfen zu vergrößern. Nachts diente die Flamme, tagsüber der Rauch als Orientierungspunkt für die Schifffahrt. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. nahmen diese Einrichtungen zunehmend monumentale und dauerhafte Formen an, die Frost (2002, zitiert nach Mauro 2019, 57–77, insb. 62) als „proto-lighthouses“ bezeichnet.

Für eine mögliche Datierung der Untiefe – als Basis eines Leuchtfeuers vor Zone F und der Westfestung am Weg zum Westtor – könnten die an der Westfestung ermittelten Bau- und Nutzungsphasen eine chronologische Orientierung bieten. Dort ließen sich drei Phasen unterscheiden: Phase 7: 550–480 v. Chr., Phase 6: 480–397/6 v. Chr., Phase 5: 4. Jahrhundert v. Chr. (Nigro & Melandri 2011, 24–46). Demnach wäre die Struktur vor dem Westtor – sofern sie sich als anthropogen bedingt erweist – vor allem auf Anhaltspunkte für die Zeit des Übergangs vom späten archaischen zum klassischen Zeitalter hin zu untersuchen.

 

Am Capo Gallo nördlich von Palermo untersuchten Rapisarda und Ranieri drei große Karbonatblöcke nahe dem Leuchtturm. Diese stürzten wohl vom Monte Gallo ab und wurden anschließend gezielt auf die Inseln Lipari und Ustica ausgerichtet, vermutlich als Navigationshilfe. Mit Feuer versehen, hätten sie auch nachts als Orientierungspunkte dienen können (Rapisarda & Ranieri 2016, 225–231). Unter phönizischer Herrschaft war Capo Gallo ein strategischer Außenposten. Die Verbindung zwischen Lipari und Panormos bei gleichzeitiger Umgehung der gefährlichen Küstenroute legt eine offshore verlaufende Navigationslinie nahe, für die solche Signalsteine genutzt worden sein könnten. Sollte die Hypothese stimmen, wären ähnliche Strukturen an weiteren Küstenpunkten zu erwarten – ein möglicher Hinweis auf punische Navigationssysteme. Vergleichbare Anordnungen könnten auch zwischen den Ägadischen Inseln und Mozia bestanden haben, wenngleich weitere Belege noch fehlen.

Detlef Peukert, Filippo Barthélemy, Mareike Kempermann, Ralph Kunz, Tereza Lochmanová, Francesca Oliveri, Tecla Zucchi, Maria Pamela Toti, Roberto La Rocca, Ferdinando Maurici

Der Kontext der Anlegestelle von Mozia: Neue Untersuchung und Forschungsfragen

Ein moderner Anleger (Imbarcadero) gehörte zu dem Gebiet, das während der kurzen Kampagne im Juli 2024 in den Gewässern rund um die Insel Mozia im Stagnone von Marsala (Trapani, Sizilien) untersucht wurde. Das Gebiet um den Anleger war zuvor in den Kampagnen von 2017 bis 2019 durch Taucher der BGfU mit einer Side-Scan-Sonar-Untersuchung und anschließenden Grabungen vor der rezenten Betonplattform erkundet worden. Die Untersuchung bestätigte außer den bereits beschriebenen modernen Pfostenresten (Peukert et al. 2019) das Fehlen früherer Strukturen in diesem Sektor und ermöglichte gleichzeitig ein klareres Verständnis der Stratigrafie.

Die Kampagne 2024 zielte darauf ab, das Gebiet durch visuelle Prospektionen zu untersuchen und einen Abschnitt abzudecken, der sich vom Betonanleger bis zu einem Pfahlpaar etwa 150 m vor der Küste in Richtung Marsala erstreckte. Diese Pfähle dienen dem heutigen Schiffsverkehr als Navigationsmarkierungen und signalisieren den Schiffen, die sie sich der Insel nähern, den Eingang in die Fahrrinne zum Imbarcadero. Aufgrund des ständigen Stroms von Touristenbooten zur Tageszeit wurden die archäologischen Prospektionen in der Abenddämmerung durchgeführt, was es unmöglich machte, die Aktivitäten fotografisch zu dokumentieren.

Ausgangspunkt eines submersen Kanals

Die visuellen Prospektionen bestätigten, was bereits aus der Side-Scan-Sonar-Untersuchung (Pflederer et al. 2017) bekannt war: Vom Anlegepunkt in Richtung Süden und Marsala beginnt ein submerser Kanal mit ausreichender Tiefe. Dieser Kanal entstand wahrscheinlich im Laufe der Jahrhunderte durch die Durchfahrt von Booten und Schiffen mit unterschiedlichem Tiefgang während der verschiedenen Phasen der Besiedlung von Mozia. Er wird heute noch genutzt, vor allem aber im letzten Jahrhundert durch Motorboote.

Der Meeresboden rund um den Betonsteg war schlammig und von einer dichten Posidonia-Matte bedeckt. Vor dem Anleger erreicht er eine maximale Tiefe von 2 m. Der erwähnte Beginn des Kanals ist einer der tiefsten Punkte in der gesamten Lagune von Stagnone. Der zentrale Teil des Kanals erschien sandig und frei von Posidonia oceanica, dem Neptungras. Seine Ränder waren von Posidonia-Matte gesäumt, die durch Schiffsschrauben senkrecht abgeschnitten waren. Innerhalb des Kanals nahm die Tiefe nach Süden hin um 40–50 cm ab. Die Durchfahrt von Booten ist für das Fehlen der Meeresvegetation sowie die Freilegung und ständige Bewegung archäologischer Materialien verantwortlich.

Der Fokus der Untersuchung betraf einen rechteckigen Sektor vor dem Steg, der sich nach Süden und in den Kanal hinein erstreckte. Die meisten während der Untersuchung geborgenen Funde stammten aus diesem Bereich. Während keine klaren anthropogenen Spuren identifiziert wurden, konnte eine Ansammlung poröser, kugelförmiger Steine unterschiedlicher Größe festgestellt werden, die in diesem Bereich auf dem Meeresboden verstreut lagen.

Die archäologischen Funde aus dem untersuchten Gebiet stimmten mit den Besiedlungsphasen der Insel überein. Ein Großteil der geborgenen Keramik stammte aus der punischen Zeit (6.–4. Jh. v. Chr.). Die Funde umfassten elf Fragmente punischer Gefäße: Rand- (3), Wand- (2), Griff- (6) und Fußstücke (2).

Die erkennbaren Ränder gehörten zu den Amphorentypen T-1.4.5.1.2 (M2024-07, Abb. 1 Nr. 7) und T-1.4.2.1.1 (M2024-08, Abb. 1 Nr. 8), die auf das 5. Jh. v. Chr. respektive den Übergang zwischen dem späten 6. und 5. Jh. v. Chr. datiert werden. Der Typ T-1.4.5.1.2 wurde in Solunto an der Nordwestküste Siziliens hergestellt, während T-1.4.2.1.1 weiter verbreitet war und in Westsizilien sowie in Tunesien und Sardinien hergestellt wurde.

Ein Bügelgriff (M2024-12) stach aus dem Ensemble heraus. Er wies drei Einschnitte aus der Zeit vor dem Brand auf. Ihm wurde von italienischen Archäologen vorläufig ein sardischer Ursprung zugeschrieben. Eine Materialanalyse zur Bestätigung steht noch aus. Neben punischer Keramik gehörten drei Fragmente, zwei Ränder und ein Griff, zu westgriechischen Amphoren aus dem 4. Jh. v. Chr. Ein Rand (M2024-05, Abb. 1, Nr. 3) hatte ein abgerundetes, separates Profil, während der andere wahrscheinlich eine Massiliote-Amphore (M2024-06, Abb. 1, Nr. 2) imitierte und einen mandelförmigen Rand mit Pechspuren auf der Innenseite aufwies. Außerdem wurde ein einzelnes Henkelfragment (M2024-20) einer römischen Amphore Dressel 1 gefunden, dessen genaue Typologie jedoch unklar blieb.

Neben Transportgefäßen war Tafelgeschirr in Form einer punischen Kanne mit Halsrand und abgerundetem Rand (M2024-02, Abb. 1, Nr. 4) vertreten, die grob auf das 4.–3. Jh. v. Chr. datiert werden konnte, sowie zwei Fußfragmente verschiedener punischer Olpen (M2024-09/10, Abb. 1, Nr. 5–6) aus demselben Zeithorizont. Diese Olpen schienen innerhalb der Keramikinventars aus Mozia relativ selten zu sein. Gebrauchsgeschirr war durch einen griechischen, schwarz glasierten Chytra-Henkel belegt, der auf das 4. Jh. v. Chr. datiert werden konnte. Griechische, schwarz glasierte Ware war außerdem durch Rand-, Wand- und Ringfußfragmente eines attischen Skyphos aus dem 5. Jh. v. Chr. vertreten (M2024-01/04, Abb. 1 Nr. 1). Weitere Funde waren ein Ziegel, ein Dachziegel, ein Schweinebackenzahn und ein unregelmäßig geformtes Holzfragment.

Durch die Analyse des geborgenen Materials aus den Kampagnen von 2024 und früher schien es, dass dieser Anlegebereich seit dem 6. Jh. v. Chr. ununterbrochen genutzt wurde, was die bei den Ausgrabungen 2017–2019 ermittelte Datierung unterstützte. Ob die Nutzung als Anlegestelle antik oder rezent ist, lässt sich noch nicht sagen.

Komplexe Befundsituation

Aus verschiedenen Gründen ist bei der Untersuchung des Kontexts des modernen Imbarcadero von Mozia Sorgfalt geboten. Erstens wurde der moderne Betonsteg, an dem täglich Boote anlegen, in den 1950er Jahren gebaut, was den Bereich erheblich störte und die Interpretation der Funde dort erschwert. Zweitens führt die regelmäßige Durchfahrt von Motorbooten zu einer ständigen Bewegung von Sediment und archäologischen Überresten. Darüber hinaus könnten frühere Ausgrabungen aus dem 19. Jh. im Mauerabschnitt nahe des modernen Imbarcadero und dem Anlegesteg stammen, der von Booten der Whitaker Ausgrabung genutzt wurde. Gemäß Gewährsleuten vor Ort mussten Boden, Abfälle mit fragmentarischer Keramik und Objekte der Grabungsstätte möglichst von der Insel entfernt deponiert werden, um zukünftige Grabungen nicht zu stören. Schließlich hatten die Tauchgänge der früheren Unterwassererkundungen dieses Gebiets das Problem, dass in diesem Bereich keine korrekte Dokumentation der Untersuchungen mit GPS-Punkten der gehobenen Objekte vorgenommen wurde, um die Fundposition zu dokumentieren. Die Ursache war die Mitteilung, dass die Keramik dort Abraum von Land aus der Zeit Whitakers gewesen sei (*1850-†1936). Zudem fehlten Fotos der Unterwasserarbeiten, da die Funde an Land dokumentiert wurden.

 

Die archäologischen Artefakte, zu denen auch ein Teil eines Ankerstocks aus Blei (Pflederer et al. 2017) und einer aus Stein (Peukert et al. 2023) gehörte, decken einen zeitlichen Bereich vom 6. Jh. v. Chr. bis etwa zum 2. Jh. n. Chr. ab. Allerdings erfordern die beschriebenen Motive und das Fehlen einer archäologischen Analyse der Funde einen neuen, auf den Kontext zugeschnittenen Ansatz.

 

 

Tecla Zucchi, Filippo Barthélemy