Die römische Donaubrücke von Stepperg                                                                                "Das Finale"

19 Jahre nach der Wiederentdeckung der römischen Donaubrücke bei Stepperg ging 2011 für die BGfU, das BLfD und den Verfasser ein spannendes Projekt zu Ende. Zwischen 1992 und 2011 dokumentierte man in 313 Tauchgängen die Reste von fünf Brückenpfeilern mit rund 250 Holzbefunden. Von 29 Holzproben konnten drei splintgrenzdatiert werden. Lediglich sieben Funde, darunter vier geborgene Pfahlschuhe und eine kleine Eisenaxt, sind als römerzeitlich anzusprechen. In rund einem Dutzend Vorträgen und ebensovielen Aufsätzen stellte man die Ergebnisse im In- und Ausland vor.

 

Eigentlich waren die Untersuchungen angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen bereits 1996 abgeschlossen worden. Im Jahr 2007 wagte man dennoch eine Fortsetzung, begünstigt durch niedrige Wasserstände und herausgefordert durch die imposante, aber fragliche Steinbrückenrekonstruktion im Kelten Römer Museum Manching.

 

In der siebten und letzten Kampagne im Herbst 2011 verwendete man die zehn genehmigten Tauchtage für die Detailaufnahme von zwei Konstruktionselementen an Pfeiler 2 sowie die Entnahme von 13 Holzproben zur Datierung und Artenbestimmung. Dabei kamen neue, interessante Erkenntnisse zutage. So sind für die Balkenlagen an Pfeiler 2 Nadelhölzer wie Kiefer, Fichte und Tanne verwendet worden. Bei den Pfählen dominieren die Eichen. Eine vielversprechende Probe mit Splint und Borke war leider nicht in die Chronologiekurven einzuhängen. Die Eiche dürfte aus den feuchten Talauen stammen, welche individuelle Wachstumsverläufe zur Folge haben. Eine beim letzten Tauchgang entnommene Probe mit 159 Jahrringen und Splintholz erbrachte ein Dendrodatum von 195+-8 n. Chr. Während die beiden älteren Datierungen der 1990er-Jahre auf eine Bautätigkeit um die Mitte des 2. Jahrhunderts hinwiesen, haben wir nun erstmals Belege für Erweiterungs- oder Reparaturarbeiten, d.h. eine Mehrphasigkeit wie bei vielen anderen Brückenbauten. Die Frage nach dem ersten Brückenschlag muss aufgrund der geringen Anzahl von Daten offen bleiben. Auch das ehemalige Aussehen der Brücke dürfte nie eindeutig geklärt werden. Am plausibelsten erscheint die von Annie Dumont auf dem 2009 in Regensburg abgehaltenen Kongress „Archäologie der Brücken“ vorgestellte Hypothese, dass es sich um eine Holzkastenbrücke handelte, bei der mit Kalkbruchsteinen verfüllte Balkenrahmen den eigentlichen Pfeileraufbau bildeten. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen wird aus Vogelschutzgründen keine weiteren Tauchgenehmigungen erteilen. Es ist davon auszugehen, dass die Erosion weiter zum Abbau dieses bayernweit einzigartigen Baudenkmals beitragen wird.

 

 

Marcus Prell


Lesen Sie hier genauer nach:

Der Ausgräber der römischen Donaubrücke von Stepperg, Dr. Marcus Prell, berichtet detailliert in seinen  Aufsätzen über die spannenden Ergebnisse der Ausgrabungen. Gerne können Sie auch seine angefügte Präsentation herunterladen, die Sie noch genauer informiert:

 

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